„Wir heiraten.“ Einfach gesagt. Danach folgen ein paar hundert Entscheidungen, und die meisten davon wollen in einer bestimmten Reihenfolge getroffen werden.
Ich bin Chris, ich fotografiere und filme seit über zehn Jahren Hochzeiten. Das heißt: Ich sehe jedes Jahr etliche Paare durch genau diese Reihenfolge gehen, und ich sehe ziemlich genau, an welchen Stellen es eng wird. Meistens nicht dort, wo Ihr es erwartet.
Diese Checkliste ist mein Zeitstrahl von zwölf Monaten bis zum Hochzeitstag. Sie ist ein Richtwert, kein Gesetz: Wenn Ihr in acht Monaten heiratet, fangt Ihr weiter unten an und zieht die ersten beiden Stufen zusammen. Und wenn ein Punkt für Euch keinen Sinn ergibt, streicht ihn. Es ist Eure Hochzeit, nicht die aus dem Ratgeber.
Ein Tipp vorab: Legt Euch einen Hochzeitsordner an, digital oder aus Pappe. Dort landet alles: Angebote, Verträge, Zusagen, Telefonnummern. Klingt spießig, spart Euch im letzten Monat mehrere Abende.
Inhaltsverzeichnis
- 12 bis 10 Monate vorher: Das Fundament
- 9 bis 7 Monate vorher: Anmelden und festmachen
- 6 bis 4 Monate vorher: Outfits, Ringe, Papiere
- 3 bis 2 Monate vorher: Feinschliff
- 1 Monat vorher: Zahlen festklopfen
- Die letzten zwei Wochen: Die Rücksprache-Runde
- Der Tag davor: Übergabe und Nervenkostüm
- Der Hochzeitstag: Was Ihr nicht mehr tun solltet
- Nach der Hochzeit: Der Rest, den keiner auf dem Schirm hat
12 bis 10 Monate vorher: Das Fundament
In dieser Stufe entscheidet sich, wer überhaupt noch Zeit für Euch hat. Alles andere baut darauf auf.
- Wunschtermin festlegen und beim Standesamt gegenprüfen, ob er frei ist
- Grobes Budget aufstellen und dabei ehrlich zu Euch sein
- Vorläufige Gästeliste zusammenstellen, erst einmal ohne Streichungen
- Rahmen klären: groß und laut, klein und fein, standesamtlich, kirchlich oder frei
- Gibt es ein Motto oder eine Farbwelt?
- Locations besichtigen und die Wunsch-Location reservieren
- Trauzeugen fragen
- Fotograf, Videograf und Fotobox anfragen und buchen
- Hochzeitsplanerin oder Hochzeitsplaner? Wenn ja, jetzt
- Save the Date verschicken, sobald Datum und Location stehen
- Hochzeitsordner anlegen
Aus meiner Sicht: Foto und Video gehören in diese erste Stufe, nicht sechs Monate später. Für Samstage zwischen Mai und September bin ich regelmäßig ein Jahr im Voraus ausgebucht, und den Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich rede, geht es genauso. Wer spät sucht, wählt nicht mehr aus, sondern nimmt, was übrig ist. Für Location, Band und DJ gilt dasselbe.
9 bis 7 Monate vorher: Anmelden und festmachen
Jetzt wird aus Absichten Papier. Die meisten Behördenwege haben Fristen, die Euch niemand vorher sagt.
- Eheschließung beim Standesamt anmelden und die nötigen Unterlagen zusammensuchen
- Kirchliche Trauung beim Pfarramt anmelden oder freie Trauung buchen
- Location schriftlich fixieren, Anzahlung leisten
- Musik buchen: Band, DJ oder beides
- Catering anfragen, Menüvorschläge einholen, Probeessen terminieren
- Entscheiden, welchen Nachnamen Ihr nach der Eheschließung führt
- Ehevertrag prüfen, falls das für Euch ein Thema ist
- Hochzeitsversicherung prüfen, besonders bei teurer Location und vielen Gästen
- Sonderurlaub beim Arbeitgeber beantragen
- Flitterwochen grob planen: Wohin, wie lange, direkt im Anschluss oder später?
- Blumenschmuck-Richtung festlegen
6 bis 4 Monate vorher: Outfits, Ringe, Papiere
Alles, was Anprobe, Anfertigung oder Lieferzeit braucht. Unterschätzt die Wartezeiten nicht, ein Kleid mit Änderungen kann drei Monate blockieren.
- Einladungen gestalten, drucken lassen und verschicken, spätestens vier Monate vorher
- Outfits für Euch beide suchen, erste Anproben vereinbaren
- Schuhe und Accessoires besorgen, inklusive Ersatz für alles, was reißen kann
- Trauringe aussuchen, bestellen und gravieren lassen
- Floristin oder Floristen kontaktieren, Brautstrauß und Anstecker festlegen
- Traugespräch mit der Pfarrerin, dem Pfarrer oder der Traurednerin führen
- Flitterwochen buchen, dabei Gültigkeit der Reisepässe und nötige Impfungen prüfen
- Blumenkinder auswählen und deren Kleidung besorgen
- Deko-Konzept festlegen und entscheiden, was Ihr mietet und was Ihr selbst macht
3 bis 2 Monate vorher: Feinschliff
Ab hier geht es um Details, die den Tag angenehm machen. Nichts davon ist dramatisch, aber alles zusammen ist viel.
- Drucksachen in Auftrag geben: Menükarten, Tischkarten, Programmhefte
- Hotelzimmer für angereiste Gäste vorreservieren
- Kinderbetreuung für Trauung und Feier organisieren
- Hochzeitstorte bestellen und probieren
- Tischdekoration mit der Location abstimmen
- Sitzordnung im Rohbau anlegen, noch mit Bleistift
- Probetermine für Frisur und Make-up wahrnehmen
- Tanzkurs belegen, falls Ihr den Eröffnungstanz nicht dem Zufall überlassen wollt
- Programmpunkte sammeln, danach die Hälfte wieder streichen
- Kleine Geschenke und Streukörbe für die Blumenkinder besorgen
- Überblick über die bisherigen Zusagen dokumentieren
1 Monat vorher: Zahlen festklopfen
Der Monat, in dem aus Planung Verbindlichkeit wird. Alles, was jetzt noch offen ist, wird später teuer oder stressig.
- Ausstehende Rückmeldungen einsammeln und die finale Gästezahl festlegen
- Den genauen Ablauf des Hochzeitstages festlegen
- Finale Absprache mit Catering oder Restaurant: Gästezahl, Vegetarier, Veganer, Allergien
- Sitzordnung final an die Location melden
- Outfits erneut anprobieren und notfalls ändern lassen
- Trauringe abholen
- Restzahlungen und offene Anzahlungen erledigen
- Reden schreiben, kürzen und laut üben
- Gästebuch besorgen
- Hochzeitsanzeige für die Zeitung schreiben, falls gewünscht
- Schuhe einlaufen, im Ernst, das ist kein Scherzpunkt
- Damit rechnen, dass der Junggesellenabschied jederzeit zuschlägt
Aus meiner Sicht: Am Ablaufplan entscheidet sich, wie Eure Fotos aussehen, und die meisten Paare merken das erst hinterher. Licht lässt sich nicht verschieben. Ein Paarshooting mittags um zwölf im Hochsommer sieht anders aus als eines eine Stunde vor Sonnenuntergang, und daran kann ich vor Ort nichts mehr ändern. Schickt mir Euren Entwurf, bevor er final ist. Meistens verschieben wir zwei Programmpunkte um vierzig Minuten, und Ihr bekommt das gute Licht geschenkt, ohne dass es jemand merkt.
Die letzten zwei Wochen: Die Rücksprache-Runde
Diese zwei Wochen sind kein Planen mehr, sondern Absichern. Ihr fragt überall nach, ob das ankommt, was Ihr denkt, das ankommt.
- Rücksprache mit allen Dienstleistern: Fotograf, Videograf, Konditorei, Friseur, Floristik, Musik, Catering
- Den fertigen Ablaufplan an alle Beteiligten schicken, nicht nur an die Location
- Sitzordnung ein letztes Mal überdenken
- Friseur- und Kosmetiktermine für die letzten Tage vereinbaren
- Maniküre und Pediküre einplanen
- Mit den Blumenkindern einmal Probe laufen
- Koffer für die Flitterwochen anfangen zu packen
- Wetter im Blick behalten und den Plan B für Regen mit allen abstimmen
- Notfall-Kontaktliste anlegen: Wer ruft wen an, wenn etwas klemmt?
- Anlieferung und Aufbau der Deko klären
Der Tag davor: Übergabe und Nervenkostüm
Heute wird nichts mehr entschieden. Heute wird nur noch bereitgelegt und abgegeben.
- Kleidung komplett zurechtlegen, inklusive Schuhe und Schmuck
- Ringe und Papiere für die Trauung bereitlegen
- Notfalltasche packen: Ersatzstrumpfhose, Puder, Pflaster, Taschentücher, Kleingeld
- Umschläge mit Trinkgeld für Dienstleister und Lieferanten vorbereiten
- Deko aufbauen oder an die Personen übergeben, die es übernehmen
- Den Tagesablauf gemeinsam ein letztes Mal durchgehen
- Handys laden, auch die Powerbank
- Früh ins Bett gehen
Der Hochzeitstag: Was Ihr nicht mehr tun solltet
Der einzige Punkt auf dieser Liste, der aus Weglassen besteht. Alles, was heute noch organisiert werden muss, gehört nicht mehr Euch.
- Nicht mehr organisieren. Benennt eine Person, die für Dienstleister und Rückfragen ansprechbar ist, und leitet alles dorthin
- Blumen abholen lassen, nicht selbst fahren
- Etwas essen, mehrmals, auch wenn Ihr keinen Hunger habt
- Puffer akzeptieren: Wenn etwas dreißig Minuten später startet, ist der Tag nicht kaputt
- Sind die Ringe wirklich eingesteckt? Und die Papiere?
- Heiraten nicht vergessen
Aus meiner Sicht: Der häufigste Zeitfresser ist der Sektempfang. Im Plan steht er mit dreißig Minuten und dauert neunzig, weil hundert Gäste Euch einzeln umarmen wollen. Plant ihn großzügig oder legt die Gruppenfotos davor. Und falls der Plan trotzdem kippt: Es merkt niemand außer Euch. Wirklich niemand.
Nach der Hochzeit: Der Rest, den keiner auf dem Schirm hat
- Offene Rechnungen begleichen
- Geliehene Sachen zurückgeben
- Namensänderung mitteilen: Ausweis, Bank, Versicherungen, Arbeitgeber, Abos
- Klingelschild und Briefkasten ändern
- Danksagungen verschicken, etwa sechs bis acht Wochen nach der Hochzeit, gern mit Fotos
- Eure Bilder in Ruhe auswählen, drucken lassen oder ein Album gestalten
- In den Erinnerungen schwelgen
Soll jemand das Timing für Euch mitdenken?
Ich plane den Ablauf Eures Tages mit, lange bevor ich die Kamera auspacke. Wann das Licht steht, wo Puffer hingehören, welcher Programmpunkt sich verschieben lässt, ohne dass jemand etwas merkt: Das ist Teil meiner Arbeit, nicht ein Extra.
Erzählt mir, was Ihr vorhabt, und ich sage Euch ehrlich, ob ich der Richtige dafür bin.
Anfrage stellen oder direkt an info@studio152.de



